Kein Problem aufzuschieben

Junge ADHS-Betroffene haben oft keine Probleme, bis sie Probleme haben

Bei vielen Jugendlichen mit ADHS zeigt sich ein typisches Muster: Solange der Druck noch nicht unmittelbar spürbar ist, erscheint das Problem weit entfernt. Es fühlt sich an, dass bis dorthin noch ganz viel Zeit vergehen darf. Also erst mal gemütlich ins Bett liegen, am Handy entdecken, was man nicht hat oder eben gamen. Solange, bis man zu müde ist, noch etwas anzupacken.

Ein Beispiel zeigt sich bei Lehrlingen im letzten Semester. In dieser Phase stehen zwei zentrale Aufgaben an:

🥇die Vorbereitung auf die Abschlussprüfung

💪die Suche nach einer passenden Stelle

Beide Aufgaben sind wichtig und haben unerledigt langfristige Folgen. Trotzdem passiert zu Beginn häufig wenig. Es wird kaum gelernt oder Bewerbungen geschrieben. In dieser Phase zeigen sich die meisten Konflikte:

😡 die Jugendlichen verstehen uns Erwachsene mit unserem „Stress“ nicht

und

😠 wir Erwachsene verstehen sie mit ihrer Gelassenheit nicht.

Erst wenn der Prüfungsdruck massiv steigt, werden sie aktiv. Dann wird intensiv gelernt, teilweise bis in die Nacht hinein – oft vergessen sie dabei zu essen und zu trinken.
Gleichzeitig fehlt aber die Zeit, um sich zu bewerben. Die Stellensuche wird verschoben, weil die Prüfungen alles dominieren.
Nach den Prüfungen folgt oft der nächste Aufschub. Viele erlauben sich eine Erholungsphase. Das wäre nachvollziehbar, weil die vorherige Zeit belastend war.

Der Nachteil: die Stellensuche wird erneut verschoben.  

Leider sind zu diesem Zeitpunkt viele attraktive Stellen bereits vergeben und das bedeutet:

🟢 generell weniger freie Stellen

🟢 weniger zur Ausbildung passende Stellen

🟢 Konkurrenzkampf um die letzten Stellen

🟢 längere Arbeitswege

🟢 möglicherweise weniger Lohn oder Sozialleistungen

Bei Jugendlichen mit ADHS wirkt sich dieses Verhalten besonders negativ aus. Nicht, weil ihnen die Zukunft egal ist, sondern weil Planung, Starten und den Zeitaufwand einschätzen schwieriger sind. Leider fordert dies die Berufswelt immer häufiger.

Im Coaching geht es deshalb darum, früh sichtbar und somit bewusst zu machen, dass dieses Vorgehen viel mehr Nachteile verursacht als bei Jugendlichen ohne ADHS. Wer spät beginnt, verliert nicht nur Zeit. Er verliert hilfreiche Optionen.

Hilfreich sind vor allem zwei Punkte:

  • Bewerbungen und Prüfungsvorbereitung nicht als zwei getrennte Phasen behandeln.
  • Hilfe annehmen: sich eingestehen, dass man es alleine nicht schafft und Unterstützung in dieser Phase braucht.

ADHS zeigt seine Schwierigkeiten oft nicht nur am Anfang einer Aufgabe, sondern auch dann, wenn mehrere kleine Anforderungen gleichzeitig auftreten. Genau deshalb reicht es nicht, erst zu handeln, wenn der Druck hoch ist.

👉 Wer früher Struktur schafft, verschafft sich wesentliche Vorteile und verhindert später belastende Engpässe.

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