ADHS im Schulzimmer
Warum Lehrpersonen zu ADHS geschult werden sollten
ADHS ist im Schulalltag nicht nur eine Frage von Aufmerksamkeit oder Verhalten. Es betrifft unter anderem
- aktives Zuhören,
- Selbstkontrolle,
- Selbstwahrnehmung,
- Frustrationstoleranz
- und oft auch emotionale Regulation.
Kinder mit ADHS erleben im schulischen Kontext nachweislich mehr Schwierigkeiten als andere Kinder. Gleichzeitig sind Lehrpersonen stark gefordert und benötigen passende Unterstützung, damit sie dazu beitragen können, dass diese Kinder im Unterricht besser zurechtkommen.
Genau deshalb reichen bisherige Erfahrung und gutes Bauchgefühl oft nicht aus. Lehrpersonen brauchen vertieftes ADHS-Wissen:
- Was genau ist ADHS?
- Was kann hinter bestimmtem Verhalten stehen?
- Was hilft, Konflikte zu reduzieren?
- Und wie gelingt es, unterschiedliche Kinder als Gruppe zu führen?
Ein ADHS-Update hilft, auffälliges Verhalten besser einzuordnen. Denn ohne Fachwissen wird ADHS im Klassenzimmer immer wieder als Absicht, Provokation oder Faulheit interpretiert. Mit neuem Fachwissen verschiebt sich der Fokus: weg von Schuldzuweisung, hin zu Verständnis und gezielter Unterstützung.
Leitlinien betonen ausdrücklich, dass Lehrpersonen Informationen und Training zu den Merkmalen von ADHS sowie zu grundlegendem Verhaltensmanagement erhalten sollten. NICE empfiehlt, Lehrpersonen zu ADHS zu schulen und Trainingsprogramme für Fachpersonen im Bildungsbereich zu implementieren.
Wissen allein genügt aber nicht.
Entscheidend ist, dass Lehrpersonen konkrete Vorgehensweisen verstehen und üben:
- präventive Massnahmen ergreifen,
- Ablenkungen reduzieren
- Bewegung sinnvoll einbauen.
Diese drei Elemente können im Unterricht besonders wirksam sein. Sie benötigen jedoch Fachwissen, Übung und eine klare Umsetzung.
Regelmässige Übungen in der Schule sind deshalb zentral. Wie soll ein Kind mit erhöhtem Bewegungsdrang ruhig und konzentriert eine ganze Schulstunde lang sitzen? Diese Energie will raus und wird im Unterricht häufig als Störfaktor interpretiert.
Kinder mit ADHS suchen oft automatisch nach Lösungen:
- zeichnen,
- auf dem Stuhl hin und her rutschen,
- mit den Füssen wippen oder am Körper kratzen.
Wenn der innere Druck stärker wird, entsteht rasch Unruhe im Schulzimmer:
- sprechen sie mit dem Nachbarn,
- spielen den Clown (herumblöödeln)
- stören andere Schülerinnen und Schüler
- stören die Lehrperson
- die Situation beginnt zu eskaliert
Die Forschung zeigt:
Lehrpersonen, die ein ADHS-Training absolviert haben, können im Klassenzimmer gezielter und strukturierter handeln. Eine Metaanalyse fand starke Effekte auf das Wissen von Lehrpersonen und Hinweise auf Verbesserungen beim Einsatz nützlicher Verhaltensstrategien. Gleichzeitig ist die Evidenz für nachhaltige Verbesserungen beim Verhalten der Schülerinnen und Schüler weniger eindeutig. Schulung ist also kein Wundermittel, sondern ein professioneller Baustein.
Der praktische Nutzen liegt trotzdem klar auf der Hand: Geschulte Lehrpersonen können früher erkennen, gezielter handeln und Eskalationen eher vermeiden. Sie reagieren weniger zufällig und stärker nach einem begründeten Vorgehen. Davon profitieren nicht nur Kinder mit ADHS, sondern die gesamte Klasse.
Ein ruhigeres Schulzimmer entsteht nicht durch mehr Druck, sondern durch Verständnis und mehr Klarheit. Professionelle ADHS-Schulung gibt Lehrpersonen genau das: fachlich fundierte Struktur und eingeübte Handlungssicherheit.
Wir bieten dazu 2-stündige Weiterbildungen an:
Roger Schuler, Primar- und Sportlehrer
Oliver Obrecht, Experte im Umgang mit ADHS und Autismus
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